Wildwasser / Stromschnellen befahren

Mit dem Befahren von Stromschnellen erhöht sich auch die Gefahr des Kenterns. Beim Fluss und Seepaddeln muss man damit eigentlich nicht rechnen, wenn nicht besondere Umstände auftreten. Weiter unten sieht man eine Tabelle welche die verschiedenen Abstufungen für Wildwasser aufzeigt. Dabei gibt es die Abstufungen I (unschwierig) bis VI (Grenze der Befahrbarkeit). Auch wenn es nicht wahrscheinlich ist, so sollte man ab Stufe II damit rechnen das man kentert. Das kann recht schnell gehen wenn man mal einen Stein kurz unter der Wasseroberfläche übersieht. Im Artikel Sicherheit wird schon auf gewisse Sicherheitsaspekte hingewiesen welche man beachten sollte wenn man Stromschnellen (englisch: White Water) befährt.

Beim Befahren der Stromschnellen gilt also:

  • Schwimmwesten ( und Helm) anlegen bevor man in die Stromschnellen hineinfährt.
  • Alle Ausrüstungsgegenstände und Essen ist ein wasserdichten Säcken und Tonnen verstaut
  • Alle Säcke und Tonnen sind mit einem Seil am Kanu gesichert (Auch Sachen sauber verpackt am Flussgrund gelten als verloren)
  • Paddelt man in einem Kanadier ist es sehr hilfreich wenn man eine Spritzdecke zur Verfügung hat.
  • Sollte man Personen bzw. Kinder im Boot haben welche mit einer Kenterung nicht klar kommen würden, muss man die Stromschnelle umtragen bzw. umtreideln.
  • Wenn man doch mal kentert: Schauen ob mit dem Partner alles in Ordnung ist. Am Kanu festhalten. Das Paddeln möglichst nicht verlieren. Und mit den Füssen voran, stromabwärts treiben lassen bis es eine Möglichkeit gibt alles ans Land zu ziehen. Wenn stromabwärts grössere Gefahr, oder Unterkühlung lauert, das Kanu sausen lassen und sich gemeinsam ans Ufer retten.

Von den Kanu Verleihern vor Ort erhält man oft eine genaue Streckenkarte. Dort werden auch oft die Wildwasser Kategorien der einzelnen Wildwasser stellen angegeben. Anhand dieser Angaben weiß man dann oft was auf einen zukommt.

Allerdings kann es sein das sich diese Angaben verändern können. Sehr oft haben diese Bedingungen schließlich einen direkten Zusammenhang mit der Wassermenge welche der Fluss führt. Im Frühjahr führen die Flüsse oft mehr Wasser als im Spätsommer. Im Frühjahr säufst du nach der zweiten Schwelle ab.... im Spätsommer kannst du das selbe Ding rückwärts runterpaddeln und nebenher noch angeln.... na ja fast.

Jedenfalls darf man sich auf keinen Fall darauf verlassen das ein Wildwasser von einer bestimmten Kategorie immer gleich ist. Starke Regenfälle in der Nacht zuvor können dafür sorgen das die Messlatte gleich mal um ein Grad nach oben gesetzt werden müsste. Hinzu kommt dann unter Umständen, dass es manchmal nicht so ganz klar ist wer denn genau die Bewertung der Stromschnellen vorgenommen hat, welche man auf einer selbst gezeichneten Karte sieht. Man kann es auch mit skandinavischer Gelassenheit bezeichnen. Aber die Aussage „The white water on this river is no problem“ ist jedenfalls sehr dehnbar in Schweden.

So, nun verlassen wir den Bereich welchen wir noch als seriös bezeichnen dürfen. Wir sind definitiv keine Wildwasser Experten. Wir haben Basis Paddel Kurse absolviert. Thats it. Alles weiter haben wir uns selber beigebracht bzw. verbessert... oder viel mehr, wir tun wir das immer noch. Dabei haben wir uns auf unseren Kanu Touren immer weiter gesteigert was das Wildwasser angeht. Wir sind schon mehrere Wildwasser Passagen gefahren welche mit III und IV angegeben waren. Das hat in den meisten Fällen einfach nur Spaß gemacht. Eine echte Gefahr für die Gesundheit hat dabei nie bestanden. Es ging dabei immer nur das man nicht kentert und man somit eventuell früher sein Lager aufschlagen muss um sich und die Sachen neu zu sortieren.

Ein echter Profi Kurs in diesem Bereich wäre sicher mal interessant, bisher hat aber alles auch wunderbar ohne geklappt.

Video: Aber mit Kurs könnte das dann so aussehen (oder hoffentlich auch nicht, je nachdem welchen Video Abschnitt man meint)

Da das Wildwasser Fahren aber gewisse Gefahren birgt sollte im Folgenden die beschriebene Vorgehensweise und Ironie nicht mit Profi Wissen verwechselt werden.

Ok, grundsätzlich und theoretisch wissen wir wie es geht. Allerdings haben wir doch immer mal wieder verschiedene Varianten probiert und mussten dabei natürlich unsere Erfahrungen machen. Der Hintermann hat die Kontrolle über die Richtung. Der Vordermann sieht aber ab und zu etwas früher verdeckte Steine oder Lücken. Jetzt sollte man es schaffen, diese beiden Erkenntnisse in eine fehlerfreie Durchfahrt der Stromschnelle umzusetzen. Dies gelingt nicht immer. Grundsätzlich kann man sagen dass der Aufruf „Scheisse“ keine klare Ansage an den Partner ist was dieser zu tun hat. Eine rechts-links Schwäche beim Vordermann kann sich ebenfalls negativ auf die Ideallinie auswirken.

Auch das so oft empfohlene Besichtigen der kritischen Stellen ist ein netter, gut gemeinter Rat aber nicht immer wirklich umsetzbar... zumindest für uns. Die Stromschnellen sind ja doch oft einige hundert Meter lang. Man kann also anhalten, aussteigen, sich durch mehr oder weniger unwegsames Gelände am Ufer bis zum Ende der Stromschnellen durchschlagen und sich dabei einen Weg durch selbige überlegen. Eine Stunde später sitzt man dann wieder im Kanadier, hat die Hälfte schon wieder vergessen und probiert dann aber trotzdem den Weg umzusetzen. Schwierig und zeitraubend. Ein Freund und erfahrener Kajakfahrer meinte einmal, dass das Wichtigste sei, in solchen Situationen immer einen Plan A zu haben. Auf unsere Frage was zu tun sei, wenn dieser sich nicht einhalten ließe, kam die weise Antwort, dass dann Plan B in Kraft träte und dieser dann aber auch ohne Kompromisse durchgezogen werden muss. Äh, ja, so also wird’s gemacht....

Nicht unbedingt zu empfehlen aber bei uns klappt meistens folgende Strategie (Nur bis WW III):

Rein fahren ohne Besichtigung und mit mehr oder weniger harmonischer Kommunikation gemeinsam eine Ideallinie finden.

Man muss sich halt doch etwas auf die Informationen verlassen die man vorher bekommen hat. Wenn zwei unabhängige Kanu-Verleiher sagen, dass in dieser Zeit die Strecke mit einem offenen Kanadier befahrbar ist, dann geht man wohl nicht ein all zu großes Risiko ein, wenn man die Dinger blind fährt, zumindest wenn man etwas Erfahrung hat und es im Duo möglich ist in die Richtung zu fahren auf die man sich geeinigt hat.

Aber wenn man die Möglichkeit hat die Stromschnelle zu erkunden sollte man dies auch tun. Lieber einmal etwas zu oft anhalten als einmal zu wenig. 

Definition der Schwierigkeitsgrade für Stromschnellen nach dem Deutschen Kanu Verband und ICF

Grad

I

II

III

IV

V

VI

In Worten

unschwierig

mäßig schwierig

schwierig

sehr schwierig

äußerst schwierig

Grenze der Befahrbarkeit

Sicht

frei

freie Durchfahrten

übersichtliche Durchfahrten

Durchfahrten nicht ohne weiteres erkennbar, Erkundung meist nötig

Erkundung unerlässlich

im allgemeinen unmöglich, bei bestimmten Wasserständen eventuell fahrbar, hohes Risiko

Wasserverhältnisse

regelmäßiger Stromzug,
regelmäßige Wellen,
kleine Schwälle

unregelmäßiger Stromzug,
unregelmäßige Wellen,
mittlere Schwälle,
schwache Walzen, Wirbel, Presswasser

hohe, unregelmäßige Wellen,
größere Schwälle,
Walzen, Wirbel, Presswasser

hohe andauernde Schwälle,
kräftige Walzen, Wirbel, Presswasser

extreme Schwälle,
extreme Walzen, Wirbel, Presswasser

im allgemeinen unmöglich, bei bestimmten Wasserständen eventuell fahrbar, hohes Risiko

Flussbett

einfache Hindernisse

einfache Hindernisse im Stromzug, kleinere Stufen

einzelne Blöcke, Stufen,
andere Hindernisse im Stromzug

Blöcke versetzt im Stromzug, höhere Stufen mit Rücksog

enge Verblockungen, hohe Gefällstufen mit schwierigen Ein- und Ausfahrten

im allgemeinen unmöglich, bei bestimmten Wasserständen eventuell fahrbar, hohes Risiko


Geeignet für

(Diese Empfehlung ist nicht Bestandteil der Tabelle vom ICF)

Anfänger Durschnittlicher Paddler Erfahrener Paddler Sehr erfahrener Paddler Experten Experten